100 JAHRE STUDIO ISABELLA

Liebe Isabella-Kinogäste, Kinofreaks, Kinoveteranen, Nachbarn und Flaneure,

es ist soweit. Am 12.7.2019 wird das Studio Isabella 100- Jahre alt! Wir feiern mit einem Straßenfest am 24. Juli von 17-22 Uhr.

Am 12.Juli 1919 eröffneten die Isabella-Lichtspiele in Schwabing an der Ecke Isabellastr./Neureutherstr. mit den beiden Filmen „Der Liebe Macht, des Rechtes Sieg“ und „Papa Krause“. Das Kino mit seine 200 Plätzen wurde in den folgenden 10 Jahren von Maria Zach geführt, die im Jahr 1919 in München sechs Kinos besaß. Das früheste noch erhaltene Foto zeigt eine Stofftafel über dem Kinoeingang, die in dieser Weise im Juni 1932 von der Lokalbaukommision „in stets widerruflicher Weise“ genehmigt worden war. Ein fünf Jahre später aufgenommenes Foto zeigt die Außenfassade des Kinos, die sich seit damals kaum geändert hat. 1944 wurde es bei einem Luftangriff beschädigt und 1947 wieder eröffnet. Nach mehrfachem Besitzerwechsel und technischer Aufrüstung (1954! Cinemascope) übernahm 1961 der Filmkunstpionier Fritz Falter das Isabella. Er hatte mit dem Occamkino (jetzt Lustspielhaus) für großes Aufsehen, gesorgt. Vielleicht war das Occam das erste Programmkino in Deutschland. Ausländische Filme in O.m.U., manchmal im täglichen Wechsel, auf höchstem Niveau, Studenten stellten danach die meisten Besucher. Studenten hatten ihre eigenen Oasen. Fritz Falters Occam Studio und das Isabella waren die Orte des stolzen und unbequemen Sitzens für die wahre Filmkunst. Wie im Theatiner gab es hier Filmkunst pur. Walter Talman-Gross und Werner Zurbuch waren Falters geniale Mitarbeiter, ohne die der Erfolg des Occam Studios, des Isabellas und des Türkendolch nicht möglich gewesen wäre. Auch die Münchner Filmkunstwochen wurden 1954 aus der Taufe gehoben. Als man 1970 Fritz Falter durch eklatante Mieterhöhung aus dem Occam Studio vertrieb, konzentrierte sich Fritz Falter auf das Isabella, das er jetzt „Studio im Isabella“ nannte. Nach großen Erfolgen, -„Harold und Maude“ lief im Isabella fast 2 Jahre, wurde das Geschäft immer schwerer. Es entstanden die ersten Vorläufer der Multiplexe, Schachtelkinos nannte man sie damals. In den 80er Jahren hatten sich deutsche Filmverleiher dazu entschlossen, neue deutsche, französische, englische Filme zu verleihen und suchten dafür auch entsprechende Kinos. 1980 verkaufte Fritz Falter das Studio Isabella und das Türkendolch an Achim Flebbe, Christian Friedel, Lothar Seelandt, Laurens Straub, Stephan Hutter, Rudj Tijo, Mina Kindl, Alfred Schantz, Uschi Potthoff, Robert Rühle u.a. Da blies neuer Wind durch die doch arg verstaubten Kinos. Filme von Werner Schroeter, Alexander Kluge, Vadim Glowna, Rudolf Thome, John Cassavates, Woody Allen, Claude Chabrol, Jean-Luc Godard, Frank Ripploh, Reinhard Hauff, Christel Buschmann Rainer Werner Fassbinder und Herbert Achternbusch fanden begeistertes neues Fanpublikum. Jim Jarmusch, Aki Kaurismäki, Tom Tykwer, David Lynch, Wong Kar Wai, Margarethe von Trotta, Volker Schlöndorff, Michael Verhoeven, Uwe Schrader wurden unter anderem im Studio Isabella in Erstaufführung aufgeführt. Eine schöne wilde Kinozeit! Seit 1980 als Geschäftsführer und Programmmacher tätig, erwarb ich das Studio Isabella in den 1990er Jahren. Parallel zu dieser Blüte der Filmproduzenten entstand auch der Wunsch nach neuen modernen Kinopalästen, die aber leider die Idee der Schachtelkinos in einem Kinocenter aufgriffen. Statt Ein- Leinwandkinos begann der Siegeszug der Multiplexe. Modernste Technik, Komfort für die Zuschauer, aber mit 8-14 Sälen in einem Kino. Das Mathäser eröffnete 2003 mit 14 Sälen. Dazu kam das Cinemaxx. Das bedeutete das Ende der Einleinwandkinos. Ein neues Kinosterben begann und wird sich sicher fortsetzen. Wir werden sicher nicht weitere 100 Jahre überleben, nicht 50, 20? 10? Noch 1 Jahr??? Ob das Studio Isabella das alles überlebt, entscheiden nur Sie, jeder Einzelne von Ihnen! Viele Zuschauer sind begeistert von unserem Programm und auch von unserem „renovierungsbedürftigen“ Kino. Auf die Frage nach dem letzten Besuch in unserem Kino reagieren viele verlegen. Fazit: wir werden alles tun, um zu überleben, uns zu verbessern, aber entscheiden über die Zukunft des mit fast 100 Programmpreisen ausgezeichneten Kinos tun nur Sie!

Louis Anschütz & Hermine Bek-Anschütz

*alle Daten vor 1980 und teilweise Zitate aus „Für ein Zehnerl ins Paradies“ und „Neue Paradiese für Kinosüchtige“ von Monika Lerch-Stumpf (Dölling und Galitz Verlag) „sehr empfehlenswert!“